Der Himmel wolkenlos, das Meer recht ruhig, der Berg Fuji mit Schnee bedeckt - die besten Konditionen für ein Fotowetter. Der zweite Teil des Reiseberichtes.
Tag 5: Fujieda - Fuji - Numazu - Tokyo
Die Freundin, die ich am Abend zuvor schon getroffen hatte, holte mich am nächsten Morgen am Hotel ab und nahm mich mit. Angekommen sind wir als erstes am Aussichtspunkt Satta-Touge (Karte), aber ein Bild sagt mehr als tausend Worte - schaut selbst:

Es ist und bleibt wohl eine meiner besten Fotos, die ich bislang geschossen habe. Wir beide haben die Momente genossen. Aber trotzdem mal ein paar Hintergrundinformationen: Die Bahnstrecke der JR Tokaido-Linie die hier verläuft, wird in der Regel von Personenzügen befahren. In den Tagesrandlagen und abends verkehren überwiegend Güterzüge, tagsüber wiederum recht wenig. Umso mehr hat es uns beide gefreut, als gleich zwei Güterzüge gleichzeitig gekommen sind. Da ich die Fahrzeiten nicht kannte, war das in der Tat ein Zufallsschuss gewesen. Zuvor noch im Auto gescherzt, dass es doch mega wäre wenn ein Güterzug kommen würde - aber mit zwei habe selbst ich nicht gerechnet.
Genau das sind aber die schönen Momente, die die Reise umso unvergesslicher machen. Die Begleitung ist zwar kein Bahn-Fan (dafür Autoliebhaberin), aber selbst sie hat sich mitgefreut und hatte Spaß dabei.

Einmal Weitwinkelobjektiv. Wortwörtlich null Wolken, es sieht fast schon nach Sommer aus, würde der Schnee nicht liegen. Ich hatte wirklich Glück mit dem Wetter, denn in diesem Jahr war das Wetter so stabil wie noch nie zuvor. Auch die Wellen waren an diesem Tag sehr ruhig, das Wasser sehr klar. Nur so konnten die blauen Bilder entstehen, aber auch vor Ort mit eigenem Auge erblickt, werde ich die Aussicht nie vergessen.
Ach, den Regelverkehr mit der Baureihe 313 der JR-Central am Bildrand so nebenbei erwähnt.
Da wir so erfolgreich waren und die Aussicht ausreichend genossen haben, begaben wir uns wieder zurück zum Auto. Auf dem kurzen Stück dorthin ein Handybild ohne Eisenbahn. Von der Größe her hätte ich auf Orangen getippt, aber nach Recherche scheint es wohl Mandarinen zu sein, die hier im Präfekteur Shizuoka eine der zahlreichen Spezialitäten sind.
Mit dem Auto geht es ab hier zunächst steil bergab.


Auf dem Weg zum nächsten Fotopunkt legten wir an der Raststätte eine kurze Pause ein. Japanische Raststätte, teils sogar entlang von Bundesstraßen, beherbergen nicht nur Restaurants und Toiletten, sondern auch Souvenirshops. Natürlich wurde auch hier groß eingekauft.
Präfekteur Shizuoka ist unter anderem für grünen Tee berühmt. Die "versteckten" Spezialitäten darüber hinaus sind unter anderem Sakura-Garnelen und Jungsardinen. Natürlich beides bestellt, dazu noch ein Gemisch aus Lachs und Tintenfisch, das Ganze im Übrigen für 1000 Yen (umgerechnet 5,45€).
Die Tour geht weiter an die Strecke der Gakunan-Eisenbahn. Auf dieser kleinen Privatbahn verkehren derzeit noch die älteren Fahrzeuge, die in Tokyo ausrangiert worden sind. Die Baureihe 8000 ist mit der Garnitur 8001F nur einmal vertreten, sie entstand durch einen Umbau zweier Mittelwagen der Serie 3000 der Keio-Eisenbahn.
Da der Berg Fuji in der Regel Wolken um sich herum hat, hatte ich hier trotz der kleinen Wolke noch Glück, die Bergspitze mit fotografieren zu können.


Im weiteren Verlauf bedient die Eisenbahnstrecke mehr Industrie- als Wohngebiete. Seitdem der Güterverkehr 2012 eingestellt wurde, ist es an der Strecke ruhiger geworden. Hier in Gakunan-Harada (Karte) ist der Kreuzungsbahnhof der Personenzüge. Im Hintergrund gut zu erkennen, dass der Industriegebiet recht nah am Bahnhof ist.
Auch die Baureihe 7000 entstand aus den Mittelwagen der Serie 3000. Von den drei Fahrzeugen verkehren aktuell noch zwei, welche aber in den kommenden Jahren - zusammen mit den anderen Fahrzeugen - ersetzt werden sollen.
Ein Blick auf den Gegenzug. Der vorhin fotografierte 8001F ist zurück vom Endbahnhof. Es ist immer wieder spannend zu sehen, wie ältere aus Tokyo ausrangierte Fahrzeuge in den ländlicheren kleineren Betrieben weiter verkehren. Wenn man bedenkt, dass der Wagen aus den 1970ern stammt, sind die Fahrzeuge schon 50 Jahre unterwegs und fahren immer noch.
Was ich auch faszinierend finde ist, dass auch solche kleineren Bahnhöfe stets sauber gepflegt sind.


Den nächsten Stopp legten wir entlang der Shinkansen-Strecke ein. Da der nächste Bahnhof mehr als ein Kilometer weit weg liegt, war ich sehr dankbar für die Autofahrt.
Da hier gefühlt alle zwei Minuten Shinkansenzüge durchfahren, gab es reichlich Chancen zum fotografieren. Wie man aber auch auf dem Bild erkennt, hatten wir zu dieser Nachmittagsstunde kaum Chancen, einen komplett wolkenfreien Fuji im Hintergrund zu haben. Dieses Bild war der Schuss mit den wenigsten Wolken.
Wir waren so gut in der Zeit, dass wir zusätzlich noch ein weiteres Ziel auf unser Programm genommen haben: Numazu-Hafen (Karte).
Sieht in erster Linie verlassen aus, da der Handel aber überwiegend vormittags stattfindet, waren einige Läden einfach schon zu. Würde man also am frühen Morgen hier vorbeischauen, sieht es ganz anders aus.
Das Tiefsee-Aquarium war leider außerplanmäßig geschlossen (stand nicht mal im Internet). Schade drum, aber das haben wir aufs nächste Mal vertagt.


Bevor sie mich zum Shinkansen-Bahnhof fuhr, noch ein Abstecher abseits der Eisenbahn. Hier an der Aussichtsplattform in Fuji (Karte) fotografierte ich ein letztes Mal den Berg Fuji. Laut ihrer Aussage ist es wirklich selten, dass der Fuji auch am Nachmittag so wenige Wolken um sich hat. Dass das Wetter den gesamten Tag über gehalten hat, ist um diese Jahreszeit auch nicht häufig der Fall.
Ich verabschiedete mich von ihr am Bahnhof Shin-Fuji (Karte) und fuhr mit dem nächsten Shinkansen zurück nach Tokyo, wo ich mich mit einer anderen Freundin zum Abendessen verabredet war.
Tag 6: Tokyo - Chichibu

Der Tag beginnt mit der Seibu-Eisenbahn an der Station Nishi-Tokorozawa (Karte). Einst berühmt für die gelben Züge, inzwischen sind es aber mehr Blauton.
Die Garnitur 263F der Baureihe 101 ist eine der letzten von 39 gebauten Einheiten. Mit den Baujahren 1979 bis 1984 gehört die Baureihe inzwischen zur Ältesten bei Seibu.
Demnächst sollen sie durch Gebrauchtfahrzeuge von Tokyu-Eisenbahn ersetzt werden.
Ebenfalls kurz vor dem Aus steht der Leoliner, Baureihe 8500 der Seibu-Yamaguchi-Linie. Drei Einheiten wurden im Jahre 1985 gebaut.
Wie man sieht, handelt es sich hier auf der Yamaguchi-Linie nicht um eine herkömmliche Eisenbahnstrecke. Vor dieser Generation fuhr in der Tat Züge auf Schienen mit 762mm Spurweite, wurde aber im Zuge des Sanierungsprogramms komplett umgebaut.


Ein Blick in den Betriebshof in der Nähe des Endbahnhofs Seibu-Kyujomae (Karte). Hier steht die Ablösung in Form von Baureihe L00 bereit. Bislang sind die neuen Fahrzeuge nur zu Schulungszwecken eingesetzt worden, sollen aber ab März 2026 in den Betrieb gehen. Sobald alle drei Einheiten bis 2027 ausgeliefert werden, verschwinden die Züge der Baureihe 8500. Die Garnitur 8501F scheint bereits ausgeschieden zu sein.
Standortwechsel nach Hanno (Karte). Die Serie 4000 sind inzwischen weit weg von Tokyo und werden nur noch hier eingesetzt. Einzelne Direktverbindungen in Richtung Ikebukuro, die es früher Mal gegeben hat und auch ich davon noch ein paar Bilder habe, gibt es mittlerweile gar nicht mehr.
Hier kommt eine Garnitur aus der Abstellung und fährt in den Bahnhof Hanno ein.


Durch die vorherige Leerfahrt soll dieser Zug ausgetauscht werden. Hier sehen wir ebenfalls eine Garnitur der Baureihe 4000, welche aber ausnahmsweise in der ehemaligen Seibu-Elektrolok-Lackierung unterwegs ist. Diese Garnitur wurde anlässlich 55 Jahre Eröffnung Seibu-Chichibu-Linie in diesen Farben versetzt. Ein echter Hingucker; mit dieser Garnitur gibt es also - zusammen mit der einen gezeigten Einheite aus Tag 1 - drei unterschiedliche Farbvarianten.
Wäre der Begriff "Bullet-Train" nicht eher bei diesem Zug passender als Shinkansen? Die Baureihe 001 der Seibu-Eisenbahn ist ein aufschlagpflichtiger Expresszug mit großen Panoramafenstern, welche fast bis zum Innenboden reichen. Durch die großen Fenster hat man die Möglichkeit, die Gebirgslandschaft der Chichibu-Gebirge zu genießen. Auch die runde Front die bislang so in dieser Form einmalig ist, trägt zur besonderen Atmosphäre bei.


Ich nahm an einem Glücksspiel teil: Auf der JR Hachiko-Linie schreitet der Generationswechsel voran. Hier werden die alten Dieselzüge der Baureihe KiHa110/112 durch neue Hybrid-Züge HB-E220 ersetzt. Während die Neufahrzeuge fast komplett ausgeliefert sind und an einigen Tagen nur noch die neuen unterwegs sind, wollte ich mein Glück ausprobieren.
Und siehe da, das Warten in Komagawa (Karte) hat sich gelohnt. Eine der letzten Einheiten der KiHa112 fährt ein.
Die Gelegenheit nutzte ich aus, um in dem Zug mitzufahren. Das Video der Mitfahrt folgt demnächst auf meinem YouTube-Kanal.
Die 40 Minuten vergehen wie im Flug. Angekommen bin ich an der Station Yorii (Karte), wo ich mich von dem Wagen verabschiedete. Die schwarzen Rauchwolken fühlten sich fast schon an wie ein Abschiedgruß.


Eine Bahnsteiginsel nebenan, geht es weiter auf der Chichibu-Linie. Hier habe ich Januar 2023 eine Sonderfahrt genossen, aber heute geht es in einem normalen Zug weiter.
In den ländlichen Betrieben nahezu schon üblich, schaukelt der Wagen während der Fahrt nicht nur nach links und rechts, sondern hüpft und rattert. Trotzdem werden die 80km/h ausgefahren, um den Fahrplan einzuhalten. Man möge für solche ländlichen Betriebe die Infrastrukturinstandhaltung finanziell fördern...
Bahnhof Seibu-Chichibu (Karte). Hier ist die Endstation der Seibu-Chichibu-Linie, die bekannten Gesichter der Baureihe 4000 sieht man so wieder.
Es ist inzwischen 16 Uhr, der Sonnenuntergang naht. Im letzten Licht des Tages erstrahlt die saubere Einheit. Wie lange wohl diese Baureihe noch zu sehen sein wird?


Ein Blick auf die Gebrigslandschaft Chichibu von der Personenüberführung. Links unten zu sehen der Expresszug Laview, den ich im Anschluss dann auch nehme, denn das Treffen am Abend naht.
Das Eisenbahnertreffen war insofern interessant, als dass an diesem Abend drei Leute beigesessen haben die sich mit der deutschen Eisenbahn gut auskennen. Darunter auch der ICE3-Doc, seine Grüße gehen raus in Richtung Töging.
Schon die Hälfte der Reise vorbei? Da merkt man, wie schnell die Zeit vergeht. Aber es warten noch einige interessante Tage - und die werdet ihr im nächsten Blog miterleben können.


